Foto: Drazen - stock.adobe.com04.07.2026 ● Sabine Meuter, dpa
Jura, Medizin, BWL - lohnen sich die Klassiker noch?
Spannende und herausfordernde Berufswege, sehr gute Karriereoptionen und Top-Verdienstmöglichkeiten: Das versprechen erfolgreiche Studienabschlüsse in Fächern wie Jura, Medizin und BWL seit jeher. Gilt das bis heute? Fragen und Antworten.
Für wen eignen sich diese Studiengänge besonders?
Ausschlaggebend ist natürlich das Interesse am jeweiligen Fachgebiet. Daneben spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle.
• Jura: Logisches Denken und Leidenschaft für die Sache sind ein Muss. Eine weitere Voraussetzung: „Gut mit der deutschen Sprache umgehen können, denn die Sprache ist das Werkzeug der Juristen“, sagt Prof. Andreas Feuerborn, Studiendekan der Juristischen Fakultät der Heinrich- Heine-Universität (HHU) Düsseldorf. Zudem sollten Interessierte Freude am Diskutieren haben, um den Weg von festgefahrenen Positionen hin zu konstruktiven Lösungen zu ebnen.
• Medizin: Für das Studienfach Medizin sind eine hohe Lern- und Einsatzbereitschaft wichtig, wie Prof. Ulrich Decking, Studiendekan der Medizinischen Fakultät der HHU, sagt. Medizinerinnen und Mediziner benötigen zudem eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenzen und Empathie - für den Umgang nicht nur mit Patienten, sondern auch mit Teammitgliedern. Und je nach Fachgebiet sind weitere Kompetenzen gefragt: Wer etwa in der Radiologie arbeitet, braucht technisches Verständnis und analytisches Denken, um aus MRT-Befunden Diagnosen und Therapieempfehlungen ableiten zu können.
• BWL: „Alle, die BWL studieren möchten, brauchen eine gewisse Freude an Zahlen und Statistiken“, sagt Prof. Ulrich Heimeshoff, Studiendekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der HHU. Denn Zahlen und Statistiken sind fundamental für unternehmerische Entscheidungen und die Messung von Erfolg. Zudem sollten BWL-Interessierte gerne selbstständig agieren und kommunikationsstark sein.
Wie wichtig sind Praxiserfahrungen und Zusatzqualifikationen geworden?
„Praktika, Auslandsaufenthalte, oder zusätzliche Kenntnisse in Digitalisierung, Sprachen oder Projektmanagement können den Berufseinstieg erleichtern und individuelle Karrierewege stärken“, sagt Irmgard Pirkl von der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Das gilt vor allem für Jura- und BWL-Studierende. Praxiserfahrungen oder auch Auslandsaufenthalte führen oft dazu, dass Kontakte entstehen, die auch für das spätere Berufsleben relevant sein können.
Bei Medizin-Studierenden dienen Famulaturen und das Praktische Jahr nicht nur dem reinen Lernen. „Auch hierbei werden oft persönliche Kontakte und Netzwerke geknüpft, über die es Bewerbungsmöglichkeiten gibt“, so Decking. Zudem können Studierende durch Hospitationen und Nebenjobs als studentische Hilfskraft die Arbeit in einer Klinik kennenlernen und Einblicke in die Praxis erhalten. Dadurch sollen spätere Fehlentscheidungen bei der Facharztwahl vorgebeugt werden.
Wie fallen die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt aus?
„Auf dem Arbeitsmarkt sind alle drei Studienfächer weiterhin gefragt“, sagt Pirkl von der Bundesagentur für Arbeit.
• Jura: Der Bedarf ist hoch, wie auch Studiendekan Feuerborn betont. So gibt es deutlich zu wenig Staatsanwälte und Richter in Deutschland. Auch Fachanwälte für Insolvenzrecht oder etwa für Arbeitsrecht seien aktuell gefragt.
• Medizin: Die größten Nachwuchssorgen gibt es aktuell in der Allgemeinmedizin, besonders im ländlichen Raum. Ebenfalls intensiv gesucht werden laut Decking Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie, Psychotherapie und Chirurgie. Sehr gefragt seien zudem gut ausgebildete Fachärztinnen und Fachärzte für Kinderpsychiatrie.
• BWL: „Der Bedarf an Betriebswirten ist aktuell und in absehbarer Zeit hoch“, so Heimeshoff. Schließlich komme kaum ein Unternehmen ohne kaufmännische Expertise aus.
Wie vielfältig sind die Karrierewege in den drei Fächern?
• Jura: Neben den drei klassischen Wegen als Anwältin und Anwalt, Richterin und Richter sowie Staatsanwältin und Staatsanwalt haben Juristen vielfältige berufliche Möglichkeiten. Es gibt attraktive Jobs in Behörden und Verwaltung, in Unternehmen in Bereichen wie Compliance oder Wirtschaftsrecht oder auch etwa im Mediensektor. „Die Karriere- und Verdienstmöglichkeiten sind umso besser, je besser die Examensnoten sind“, so Feuerborn.
• Medizin: Typische Karrierewege reichen laut Decking in der Medizin von der Tätigkeit in einer Klinik – etwa von der Fach- zur Oberärztin bis hin zur leitenden ärztlichen Klinikdirektorin – oder der eigenen Praxis bis hin zu Forschung oder Pharmaindustrie. Auch beispielsweise in Gesundheitsämtern, im Medizincontrolling oder für Gutachtertätigkeiten sind Ärztinnen und Ärzte tätig.
• BWL: „Ein BWL-Studium lockt mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten“, sagt Heimeshoff. Dazu zählen etwa Jobs rund um Finanzen und Controlling, Personalmanagement oder etwa Marketing und Unternehmensberatung.
Insgesamt gilt: „Durch Spezialisierungen, interdisziplinäre Tätigkeitsfelder und lebenslanges Lernen sind die Karrierewege heute deutlich vielfältiger, flexibler und individueller geworden“, sagt Irmgard Pirkl. Etwa mit Blick auf Digitalisierung und KI, Nachhaltigkeit oder internationale Zusammenarbeit. Gleichzeitig zeigt sich, dass klassische Studiengänge zwar weiterhin stabile Perspektiven bieten, der entscheidende Unterschied aber zunehmend durch persönliche Schwerpunkte und praktische Erfahrungen entsteht.


