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Verdeckte Agenda statt Glaubwürdigkeit und Nähe? Darunter kann das Vertrauen im Team schnell leiden.Foto: Prostock.Studio - stock.adobe.com

21.02.2026 Amelie Breitenhuber, dpa

Wenn Misstrauen im Team wächst - was jetzt hilft

Die Chefin möchte plötzlich alle Budgets ganz genau kontrollieren, viel wird hinter verschlossenen Türen besprochen und jeder ist darauf bedacht, zuallererst den eigenen Hals zu retten: Misstrauen im Team kann anstrengend sein – und sich auf Dauer negativ auf Leistung und Gesundheit auswirken. Evelyn Wurster, systemische Coachin und Organisationsberaterin, erklärt im Interview, wie Misstrauen entsteht und wie sich verloren gegangenes Vertrauen wiederherstellen lässt.

Frau Wurster, welche Faktoren begünstigen Misstrauen am Arbeitsplatz?

Evelyn Wurster: Oft sind Ver- und Misstrauen eher ein Bauchgefühl. Aber es lässt sich ganz konkret benennen, was Vertrauen fördert. Das sind Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Nähe. Was Vertrauen hingegen am meisten schadet, ist Selbstbezogenheit. Glaubwürdigkeit heißt: Habe ich Ahnung von dem, was ich sage? Hat das Hand und Fuß? Oder ist das nur Dampfplauderei? Verlässlichkeit heißt: Halte ich mich an das, was ich verspreche? Kann man sich auf mich verlassen? Und Nähe heißt: Wie gut kenne ich eine Person? Lässt die auch mal etwas über sich selbst raus? Kann ich einschätzen, was sie auf die Palme bringt? Und dann das Thema Selbstbezogenheit: Wenn jemand nur auf sich selbst und den eigenen Vorteil guckt, wenig empathisch ist oder eine verdeckte Agenda hat, fördert das Misstrauen total.

Was hilft im Team gegen einmal entstandenes Misstrauen?

Wurster: Wichtig ist, das Thema überhaupt anzusprechen. Viele spüren es, aber wenn es keiner anspricht, ist es wie ein Elefant im Raum. Entscheidend ist dann allerdings auch, konkretes Verhalten zu beschreiben. Nicht nur „Du vertraust mir nicht“ als pauschaler Vorwurf. Sondern wirklich: Was hat das Misstrauen genau ausgelöst? Etwa, dass man sagt: Du hast etwas versprochen und nicht eingehalten – das wirkt auf mich unzuverlässig. Voraussetzung für eine Verbesserung ist aber, dass die andere Person in einem solchen Fall ein Interesse daran hat, Vertrauen wiederherzustellen. Vielleicht gehört sogar eine ernst gemeinte Entschuldigung dazu. Und dann geht es darum, künftig Verlässlichkeit zu beweisen. Wenn ich sage, ich mache es anders, muss ich es auch in die Tat umsetzen.

Was können Teams tun, wenn das Misstrauen von der Führungsebene ausgeht?

Wurster: Wenn es um die Führungskraft selbst geht, macht das Machtgefüge ein offenes Gespräch oft zur Herausforderung. Dann kann man überlegen, ob das Team eine Art Klassensprecher wählt, um das Thema anzusprechen. Oder man geht eine Stufe weiter und holt die Personalabteilung dazu. Auch ein externer Coach oder Berater kann helfen. Der Königsweg bleibt, es direkt anzusprechen. Ich habe oft erlebt, dass Führungskräfte sich gar nicht bewusst sind, was sie mit ihrem Verhalten im Team bewirken.

Kann man Vertrauen im Team auch vorbeugend stärken?

Wurster: Vertrauen kann man nicht verordnen. Es ist Arbeit – auch zwischen Kolleginnen und Kollegen. Was man aber vorbeugend tun kann: sich immer wieder Zeit nehmen, sich besser kennenzulernen. Zum Beispiel mit einer persönlichen Anekdote im Teammeeting. Was habe ich am Wochenende gemacht? Was hat mich bewegt? Auch regelmäßige Feedbackmöglichkeiten – etwa mit der Führungskraft – helfen, Unstimmigkeiten frühzeitig aufzudecken und nicht ewig mitzuschleppen. Nicht zuletzt ist Kommunikation wichtig. Es kann zum Beispiel und gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten helfen, bewusst überzukommunizieren und Intentionen mitzugeben. Etwa: Ich weiß, es wirkt übergriffig, wenn ich in dein Budget gucke, aber ich stehe selbst unter Druck und muss rechtfertigen, wo wir Geld ausgeben. Gleichzeitig gilt die Ermutigung an alle, die sich durch übermäßige Kontrolle auf den Schlips getreten fühlen: Bei Unsicherheiten nicht beleidigt sein, und gleich unterstellen, dass der andere das böse gemeint hat – sondern freundlich nachfragen, was der Kontext einer Entscheidung ist.

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