Bild JenkoAtaman - stock.adobe.com02.08.2025 ● Holger Hagenlocher
Wiedereinstieg in den Beruf: So gelingt der Neustart für Berufsrückkehrerinnen
Der berufliche Wiedereinstieg nach einer längeren Familienphase stellt viele Frauen vor große Herausforderungen. Dabei profitieren auch Unternehmen, wenn sie Rückkehrerinnen gezielt fördern.
Fachkräftepotenzial von Frauen bleibt oft ungenutzt
Ob Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder persönliche Neuorientierung: Die Gründe für berufliche Auszeiten sind vielfältig. Doch der Weg zurück in den Job fällt vielen Frauen schwer. Dabei schlummert hier ein enormes Potenzial für den Arbeitsmarkt – das weiß auch Inge Zimmermann, Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf in Stuttgart. „Rund 1,7 Millionen zusätzliche Erwerbstätige könnten wir in Deutschland gewinnen, wenn Frauen ihre wöchentliche Arbeitszeit nur um 50 Prozent aufstocken würden“, erklärt sie mit Verweis auf aktuelle Studien.
Mit Planung und Mut zurück ins Berufsleben
Der Weg zurück in den Beruf kann gelingen – mit der richtigen Unterstützung, einer klaren Selbstpositionierung und Arbeitgebern, die Flexibilität nicht nur versprechen, sondern auch leben. „Wir beraten Frauen, wie sie ihre Stärken erkennen und gezielt einsetzen können“, so Inge Zimmermann. „Und wir motivieren Unternehmen, das Potenzial dieser Frauen endlich zu nutzen.“
Trotzdem stoßen viele Rückkehrerinnen auf Hürden: veraltete Qualifikationen, mangelnde Weiterbildungsangebote oder unflexible Arbeitszeitmodelle. Auch steuerliche Rahmenbedingungen und das Ehegattensplitting halten viele Frauen von einer Rückkehr in Vollzeit ab.
Flexible Arbeitsmodelle als Schlüssel zum Erfolg
Ein wichtiger Hebel für den Wiedereinstieg sind flexible Arbeitszeiten. Unternehmen, die das erkannt haben, wie Harro Höfliger in Allmersbach im Tal oder Bühler Baum und Garten in Nürtingen zeigen, wie es geht: Sie bieten individuelle Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Möglichkeiten und Jobsharing an – auch in Führungspositionen. So können Frauen nach der Familienzeit in verantwortungsvolle Rollen zurückkehren, ohne sich zwischen Karriere und Familie entscheiden zu müssen.
Dr.-Ing. Susanne Rösch, Department Leader bei Harro Höfliger, führt etwa ihre Abteilung in Teilzeit. „Dass Führung in Teilzeit bei mir funktioniert, liegt an der Flexibilität des Unternehmens und meinem Team, das hervorragend mitzieht“, sagt sie.
Und auch Quereinsteigerinnen wie zum Beispiel Svenja Podehl bei Bühler Baum und Garten beweisen: Mit gezielter Weiterbildung und kollegialer Unterstützung kann der Wiedereinstieg auch nach 20 Jahren Familienzeit gelingen.
Tipps und Tools für Berufsrückkehrerinnen
– Selbstbewusstsein stärken: Die eigenen Kompetenzen – auch aus der Familienarbeit – erkennen und benennen.
– Weiterbildung nutzen: Lücken im Lebenslauf durch gezielte Qualifizierung schließen.
– Netzwerke aufbauen: Kontakte helfen nicht nur bei der Jobsuche, sondern auch beim beruflichen Ankommen.
– Flexibilität einfordern: Arbeitszeitmodelle, Homeoffice und Jobsharing offen ansprechen.
– Mentoring-Programme: Diese bieten Orientierung und Unterstützung.
Unternehmen in der Verantwortung
Doch nicht nur Frauen selbst sind gefragt. Unternehmen müssen Offenheit für vielfältige Lebensentwürfe zeigen und den beruflichen Neustart aktiv unterstützen. Dr. Clemens Striebing vom Fraunhofer IAO betont: „Es braucht einen grundlegenden Wandel in der Arbeitsorganisation. Arbeit muss so gestaltet sein, dass berufliche und private Verpflichtungen vereinbar sind – nur dann profitieren alle.“
Neben flexiblen Modellen sind auch faire Auswahlverfahren wichtig. Methoden wie das Mehraugenprinzip, strukturierte Interviews und die konsequente Dokumentation von Auswahlprozessen helfen, unbewusste Vorurteile zu vermeiden und mehr Frauen eine Chance zu geben.


